Wenn Mitarbeiterträume platzen … oder: Wie fair sind die Arbeitsbedingungen in Startups?

In manchen Branchen lässt es sich immer wieder beobachten, dass neue Mitarbeiter innerhalb eines kurzen Zeitraums das Start-Up verlassen und in etablierte Unternehmen zurück IMG_2754 (2)wechseln. Woran das liegen kann und wie Start-Ups gegensteuern können, beschreibt der folgende Beitrag.

Viele Führungskräfte kennen diese Situation: Man arbeitet seit vielen Jahren in einem Unternehmen in guter Position mit sicherem Auskommen. Als Mitglied des Führungskräfteprogramms ist die Karriere quasi vorprogrammiert. Die Teilnahme an Seminaren und Workshops steigert die persönliche Fach- und Sozialkompetenz, die wiederum zur Übernahme verantwortungsvollerer Projekte und Positionen befähigt. Eigentlich könnte man zufrieden sein. Aber irgendwie ist man es nicht (mehr). Man merkt, dass die innere Zufriedenheit verloren gegangen ist und kommt an den Punkt, an dem man sich die Frage stellt, ob das beruflich alles gewesen ist. Also macht man sich auf die Suche nach Veränderung und manch einer wagt sein persönliches Abenteuer in einem Start-Up Unternehmen.

Verlockend ist der Anreiz, aktiv mitzugestalten, etwas Konkretes durch faire Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu bewirken und keine Konzepte mehr für die Ablage zu entwickeln. Als zu verstaubt bewertet man in dieser Phase die Arbeitsweisen des vertrauten Unternehmens, was dazu führt, dass man schließlich bereit ist, unkonventionelle Wege zu gehen und sich beruflich zu verändern. „Out-of-the-Box“ Denken und moderne Formen der Geschäftsmodellentwicklung sind nur beispielhafte Verlockungen von Start-Ups.

Hierfür verzichtet der gut qualifizierte und erfahrene Mitarbeiter gerne auf die Sicherheit des „Tankers“ und nimmt im vermeintlichen „Speed-Boot“ große variable Gehaltsanteile und weniger Sozialleistungen in Kauf als beim vorherigen Arbeitgeber, erwartet dafür u.a. Fairness und mehr Freiraum. Alles ist zunächst so positiv anders, die Vision und die suggerierten Rahmenbedingungen des Start-Ups treiben einen an. Der lockere Umgangston auf den Fluren, das „Du“ mit Kollegen und Management bergen eine hohe Attraktivität nicht nur für Menschen, die lange Zeit in Unternehmen gearbeitet haben. Relax-Zonen, Kaffee-Lounges und Tischkicker für die kreative Arbeitspause sind die neue Arbeitswelt. Zu schön, um wahr zu sein.

Die Realität im Start-Up sieht zuweilen anders aus. Zielvorgaben, die investorengetrieben sind, und die Abteilungen unter großen Druck setzen. Manager, die so „über“-überzeugt von sich und ihrer Geschäftsidee sind, dass sie offenkundige Produktprobleme nicht realisieren wollen beziehungsweise am Bedarf ihrer Kunden vorbeientwickeln. Situationen, in denen organisationale Unfairness sichtbar wird, bringen den sensiblen Arbeitnehmer zum Nachdenken.

Immer schneller, immer höher, immer weiter……. immer fairer? Aktionismus ja, vorausschauende Planung nein? Manager, die über Sozialkompetenz und Fairness oft nur gelesen haben anstatt ihre Mitarbeiter nach diesen Maßstäben fair und werteorientiert zu führen. Führungskräfte, für die es zum guten Ton gehört, Unternehmenswerte wie Fairness und Werteorientierung festzuschreiben, Werte, die aber in der Realität gar nicht „gelebt“ werden. Mitarbeiter, die – aus Angst vor Konsequenzen – vom fairen Teamplayer zum unfairen Einzelkämpfer werden, um sich selbst zu schützen. Wo bleiben da Motivation und Identifikation? Wo die vielgepriesene Fairness und Werteorientierung?

In dieser beschriebenen Situation kann es dazu kommen, dass motivierte und engagierte Mitarbeiter erkennen, dass ihr Traum von der Selbstverwirklichung wie eine Seifenblase zerplatzt. Die Nicht-Erfüllung von Versprechen und Erwartungen führt dazu, dass manch ein Mitarbeiter seinen „psychologischen Vertrag“ mit dem Unternehmen aufkündigt. Wenn daraufhin eine Eigenkündigung folgt, ist dies ein großer Verlust für den Arbeitgeber.

Sehr gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verlieren kann nicht im Interesse eines Unternehmens sein. Nur ein Management, das ehrlich,  fair und aufrichtig ist, kann auf Dauer überzeugen. Mitarbeiter wollen eingebunden sein, fair behandelt werden und mitgestalten können. Und das nicht nur auf dem Papier, weil es in den Unternehmensgrundsätzen festgeschrieben steht und weil Visionen und mit Werten untermauerte Mission Statements zum guten Ton gehören. Mitarbeiter wollen reelle Verantwortung übertragen bekommen und Freiräume umsichtig nutzen können. Vor allem wollen sie ihrer Träume nicht beraubt werden, die ihnen in manch einem Start-Up bei der Rekrutierung suggeriert wurden …

 

 

 

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